DIE LINKE / Die PARTEI
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Schuldnerberatung stärken: „Wir müssen das ganze Hilfesystem in den Blick nehmen.“

Die andauernde Krise wird noch über lange Zeiträume hinweg zu tiefgehenden sozialen Verwerfungen führen; da ist sich Vincent Cziesla, sozialpolitischer Sprecher der Fraktion „DIE LINKE / Die PARTEI“, sicher.

„Die wahren Folgen der Krise werden erst offensichtlich werden, wenn die Pandemie abklingt“, erklärt er und zählt auf, was ihn beschäftigt: „Viele Menschen halten sich noch gerade so über Wasser. Wenn die Ersparnisse aufgebraucht sind und staatliche Unterstützungsmaßnahmen auslaufen, trifft neu entstandene Armut auf einen engen Arbeitsmarkt und die weiterhin existierende Wohnungsnot in Neuss.“
Dass diese Überlegungen nicht nur theoretischer Natur sind, zeigen unter anderem die angekündigten Massenentlassungen bei UPS.

Doch schon gegenwärtig finden Hilfsbedürftige und Angebote seltener zusammen: „Im Lockdown verlieren wir in vielen Bereichen, etwa in der Seniorenberatung, den Kontakt zu den Menschen. Einsamkeit und Isolation wachsen, während die finanzielle Situation der Armen noch schlechter wird. Es gibt ganze Gruppen, die von der Landespolitik einfach vergessen wurden: zum Beispiel Menschen mit Behinderung und besonderem Assistenzbedarf.“

Dabei handele es sich nicht nur um Neusser Besonderheiten.

„Die soziale Lage ist eine Blackbox: Wir wissen nicht genau was los ist, da zahlreiche Anlaufstellen fehlen oder aus Infektionsangst nicht aufgesucht werden. Einziger Lichtblick ist die konstant geleistete Nachbarschaftshilfe, die viele Menschen über das Jahr gerettet hat.“

Nun kommt es darauf an, die sozialen Netzwerke so früh wie möglich auf diese neuen Herausforderungen einzustellen. In einem ersten Schritt hat die Fraktion „DIE LINKE / Die PARTEI“ daher beantragt, die Stellenzahl in den Schuldnerberatungsstellen bedarfsgerecht auszuweiten. Den benötigten Umfang soll die Stadtverwaltung gemeinsam mit dem Kreis und den zuständigen Trägern herausarbeiten.

„Die Schuldnerberatung ist wichtig, weil die sozialen Folgen von Überschuldung, wie Wohnungsverlust oder Stromsperren, gravierend sind. Aber das kann nur der Anfang sein“, so Cziesla, der die Krisenfolgen auf die Tagesordnung des nächsten Sozialausschusses setzen will. „Wir müssen das gesamte Hilfesystem in den Blick nehmen. Leider spielen sozialpolitische Belange im rot-grünen Koalitionsprogramm noch keine große Rolle. Gut gemeint oder nicht; mit Debatten über einen Drogenkonsumraum ist es nicht getan. Und eines steht mit Blick auf die Haushaltsberatungen fest: im Sozialbereich gibt es keinen Raum für Sparfantasien.“

Ein Kommentar

  1. Mir war unklar, dass die geleistete Nachbarschaftshilfe in der Tat vielen Menschen über das Jahr geholfen hat. Ich habe für meine Rechnungen einen Stundungsantrag gestellt, der jedoch abgelehnt wurde. Jetzt weiß ich nicht, wie ich weiterverfahren sollte. Hoffentlich kann mir ein Kontakt für kompetente Schuldnerberatung unter die Arme greifen.

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